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Kreissäge #3 Drucken E-Mail
Mittwoch, 24 September 2008
Kreissäge: Hier wird Klartext gesprochen!Lärmschutzgelderpressung und Tonnentheater - Kommunalpolitik á la Rodgau

Wer mehr Spaß im Leben haben will, sollte mal eine Rodgauer Stadtverordnetensitzung besuchen - ehrlich! Man lernt, dass es wirklich Dinge gibt, die man vorher nie für möglich gehalten hätte. So zum Beispiel, dass Stadtverordnete irgendwie taub sein müssen: Auf der letzten Sitzung wurde emsig über eine Erschließungsbeitragssatzung debattiert - für einen Lärmschutzwall. Für Kopfschütteln bei den Rodgauerinnen und Rodgauern, die sich die Diskussionen anhörten, sorgte die Tatsache, dass die Sache schon vor gut 20 Jahren hätte geklärt werden können - nach Aussage einiger Stadtverordneter unterblieb das aber irgendwie meist aus Gründen "bevorstehender Wahlen"...

Grob genommen ging es darum, die umlagefähigen Baukosten in Höhe von 1,137 Millionen EUR zu verteilen. Und umgelegt hats dann zunächst mal die knapp 150 Zuhörer, die sich kleine "J12"-Schildchen (J12 ist das betroffene Baugebiet) ans Revers geheftet hatten, um zu demonstrieren, dass sie nicht wirklich damit einverstanden sind, einen 20 Jahre alten Lärmschutzwall zu bezahlen - noch dazu weil sie meinen, nie darüber informiert worden zu sein, dass diesbezüglich noch Kosten auf sie zukämen. Andere Grundstücke sind schon in der Hand nachfolgender Eigentümer, und die sind natürlich auch nicht gerade erheitert über die Kostenbescheide, die ihnen jetzt ins Haus flattern werden.

Als schlagendes Argument führte die "Kooperation" (also die Parteien, die jetzt irgendwie die Mehrheit stellen, aber nicht regieren - Hessen eben...) an, dass die Kommunalaufsicht meint, eine entsprechende Satzung müsse beschlossen werden. Moment mal... Seit wann hat denn die Kommunalaufsicht das Recht, sich irgendeine Meinung über ungelegte Eier zu bilden? Die sollen doch nur prüfen, dass die Kommunalverwaltungen keinen Mist machen. Wer gibt den Damen und Herren denn eigentlich das Recht, den gewählten Vertreterinnen und Vertretern der Rodgauer Bürgerschaft zu diktieren, wie sie sich zu verhalten haben? Mal kritisch am Kopf gekratzt, und schon muss man sich fragen: Was wäre, wenn...? Wenn die Stadtverordneten den Satzungsentwurf des Bürgermeisters einfach abgelehnt hätten? Sicher - dumm gelaufen für die Stadt, die dann auf den Kosten sitzen bleiben würde. Aber andererseits: Ist es ok, wenn eine Stadt den Grundsatz von Treu und Glauben bricht, um ihren maroden Haushalt zu sanieren, indem sie Ausgaben, die sie vor 20 Jahren gemacht hat, nun ein paar Bürgerinnen und Bürgern aufbürdet, die halt zufällig gerade (mehr oder weniger stark) von einem Erdhaufen profitieren, der ihnen wenigstens ein bisschen Schutz vor dem unerträglichen Lärm der B 45 spendet? (Was für ein Satz... Wer jetzt noch weiß, was am Anfang der Frage steht, darf ohne Wiederholung weiterlesen!)

Ach so, um auf die "tauben" Stadtvertrockneten zurückzukommen - das laute Buhen der Zuhörerschaft haben sie dann ignoriert, sich noch kurz drüber gestritten (Rodgau eben...), ob die Satzung gleich beschlossen werden soll oder ob man noch ein paar Infoabende macht, bevor man die Einwohnerinnen und Einwohner der betroffenen Wohngebiete abzockt - und dann doch brav die Satzung abgenickt, wie es die Kommunalaufsicht befohlen hatte. Schlagartig waren daraufhin der Zuschauerbalkon und das Foyer fast leer - vielleicht bleibt das bei der nächsten Kommunalwahl auf dem Stimmzettel dann auch so?

Der zweite Teil der dramatischen Komödie war dann die Debatte über die neue Abfallsatzung der Stadt Rodgau. Und auch hier ging es mitunter lustig zu - trotz traurigem Anlass: Grundsätzlich waren sich alle von vornherein einig, dass die neue Satzung beschlossen wird (Wurde sie ja dann auch einstimmig). Trotzdem flogen dann noch anderthalb Stunden lang die Fetzen (zum Dritten: Rodgauer Stadtverordnete eben...), weil Hildegard the Ripper, die Erste Stadträtin, eine 60-Liter-Tonne in ihrem Satzungsentwurf vergessen hatte! SKANDAL! Oder eher Kasperletheater (Ein teures noch dazu, wenn der FDP-Stadtverordnete Reckließ dann noch im öffentlichen Teil der Sitzung drauf verweisen muss, dass er als bestvorbereiteter Fraktionsvorsitzender doch lediglich 40 EUR für seine Hochleistungsperformance erhält - hochgerechnet auf die vergammelte... äh... versammelte Truppe kommt da ein ganzer Batzen sinnlos vergeudeter Steuergelder raus).

Da wird den Einwohnerinnen und Einwohnern der Stadt mal eben verklickert, dass ihre Mülltonnen - statt wie bisher wöchentlich - künftig im zweiwöchigen Rhythmus (ich kann es fehlerfrei schreiben Zunge raus) abgeholt werden. Dumm nur, dass bisher alle Leerungen im Preis inbegriffen waren - während es ab 2009 nur noch 13 (also quasi eine pro Monat) ist. Die 13 anderen (um auf den 2-Wochen-Rhythmus (schon wieder fehlerfrei Zunge raus) zu kommen) dürfen die Rodgauer dann zusätzlich zahlen. Aber das neue System ist noch viiiiel besser: Die Eigentumstonnen dürfen kostenlos (!) gegen Miettonnen getauscht werden, es gibt künftig eine grüne Madenhochburg, die ebenfalls alle zwei Wochen entvölkert werden soll und die Bürger haben in Zukunft sehr viel mehr Freiheit bei der Auswahl ihrer Müllentsorgung: Kippe ich preisbewusst alles in die Biotonne, in die Papiertonne oder gleich in den Wald?

Tja, wie gesagt: Die Satzung wurde beschlossen, um 22:30 Uhr war wieder Friede, Freue, Eierkuchen, und den Satz des Tages hat für mich die Frau Stadtvertrocknetenvorsteherin Schweikart-Paul gesprochen: "Ich bitte darum, die Nichtöffentlichkeit herzustellen". Kann man noch schöner formulieren, dass einem der lästige Bürger am Arsch vorbeigeht??? Ich glaube, nein. Liebe Rodgauer Stadtverordnetenversammlung:

Das stinkt zum Himmel!

Ergebenst - Ihr Theo Dorant

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Kommentare (2)


 
Kreissäge #2 Drucken E-Mail
Mittwoch, 03 September 2008
Kreissäge: Hier wird Klartext gesprochen!Es wird wieder gesägt im Kreise Offenbach... und nicht nur das! Nein - auch Messer spielten in den letzten zwölf Monaten eine wesentliche Rolle, vor allem im Ostkreis.

Messer? Genau! Also keine zum Schneiden, sondern solche, mit denen die Luftqualität bestimmt werden kann. Davon hat E.ON nämlich gleich zehn im Einsatz gehabt, unter anderem auch bei uns im Kreis. Dann hat die Großkrotzenburger Großköhlerei ein Institut mit der Auswertung der Daten beauftragt, und nun stellt sich plötzlich raus, dass wir hier außerordentlich gesund leben! Ein Wunder, dass die Untersuchung nicht ergeben hat, dass Staudinger unsere Atemluft sogar VERBESSERT hat...

Naja, schlimmer werden soll es auf keinen Fall, beten die E.ONianer uns immer und überall vor. Dafür sorgt schon die moderne Filtertechnik. Die ist sogar so modern, dass es sie noch gar nicht wirklich gibt! Und das Bissel CO2 - wen juckt das schon? Man siehts doch nicht, und deshalb ist es auch kein Problem.

So ist das in unserer Zeit mit vielen Dingen: Arbeitslosigkeit zum Beispiel - wenn man die Statistik so lange korrigiert hat, dass am Ende Vollbeschäftigung dabei rauskommt, dann hat man ja schließlich auch kein Problem mehr, oder? Und wem macht das schon was aus, dass dann eben ein paar Millionen unvermittelbare Langzeitarbeitslose den Kitt aus den Fenstern fressen müssen? Eben!

Oder nehmen wir doch das Thema PPP, das hier im Kreis dauernd präsent ist: Die Kommunalaufsicht sieht nicht, dass hier eine verdeckte Kreditaufnahme erfolgt, um die Schulsanierung zu finanzieren - also ist es auch kein Rechtsbruch. So kann man sich das Elend, das einen täglich umgibt, wunderbar schönreden. Anders machen es Fernsehen, Radio und Printmedien doch auch nicht.

Oh ja, zu PPP könnte ich noch viel mehr erzählen. Zwar fällt es mir etwas schwerer als unserem Landrat, dem Godfather of Public Private Partnership, aber ich finde das auch echt toll, dieses Hand-in-Hand von Verwaltung und Privatfirmen. Schade ist eigentlich nur, dass diese unqualifizierten Verwaltungshanseln überall mit drin rumwursteln wollen - das schmälert die Gewinnerwartungen der privaten Teilnehmer dieser Kooperation dann doch noch mal ein Stück.

Zumindest ist es ihnen aber gelungen, dem Landrat endlich klar zu machen, dass seine Mitarbeiter unfähig, teuer und langsam sind. Wurde ja auch endlich mal Zeit. Nur eine Frage bereitet mir Kopfzerbrechen: Wenn das Sprichwort "Der Fisch stinkt vom Kopf her" stimmen sollte - hätte sich unser toller, multimillionenverjublelnder Verwaltungs-Chef dann nicht irgendwie in dem Moment selbst bloß gestellt, als er die Verträge unterzeichnet hat?

Wenn der Kreis dann irgendwann mal auf Grund des (in Sachen PPP) großzügigen Herrn Landrats endgültig überschuldet ist, werden wir es wissen. Dummerweise wird ihn das wohl kaum mehr interessieren - dann ist er längst über alle Berge.

Die Zeche zahlen dann wieder diejenigen, die Deutschlands sauberste Luft atmen dürfen -

Alles hat eben seinen Preis!

Ergebenst - Ihr Theo Dorant

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Kreissäge #1 Drucken E-Mail
Donnerstag, 21 August 2008
Kreissäge: Hier wird Klartext gesprochen!Herzlich willkommen zur ersten Ausgabe eines Weblogs der etwas anderen Art. Die Kreissäge ist bissig, böse und politisch absolut unkorrekt - und genau so soll es auch sein. In loser Folge werde ich in diesem Blog ein paar (Hinter-) Gedanken (früher hat man mal gesagt „zu Papier"... und heute???) bringen. Alles, was hier geschrieben steht, trägt den Deckmantel der Satire - und so will ich es auch verstanden wissen. Wer nicht versteht, wie er das verstehen soll, der unterstehe sich, weiter zu lesen...

Ergebenst - Ihr Theo Dorant.
 

Am 20. August war es endlich so weit - SAT.1 hat die Sozialfahnder auf die Menschheit (naja gut, zumindest auf den nicht gerade kleinen deutschen Mittwochabend-nix-besseres-zu-tun-also-Glotze-an-und-rein-in-den-Fernsehsessel-ischen Teil davon) losgelassen. Und wir hier im Kreis Offenbach dürfen so saumäßig stolz auf diese neue Unterhaltungssendung sein, denn es geht darin um UNS!!! Naja, nicht um uns alle...

Genau genommen nur um diejenigen von uns, [Zitat Mario Basler folgt] "die wo die deutsche Sprache nicht mächtig sind" und die wo nicht die Schwarzen wählen und die wo uns so verdammt fies abzocken. Und weil wir im ganzen Bundesgebiet als sozialer Brennpunkt bekannt und beliebt sind und so viele von diesen windigen Gestalten hier bei uns leben, brauchen TV-Produzenten nicht lange überlegen, wo sie suchen müssen, wenn sie mal wieder ein neues Skandalformat aufziehen wollen. "Auf nach Dietzenbach - da ist immer was los!" - ist in den Redaktionen der Privatsender mittlerweile ein beliebter Schlachtruf!

Schnell noch ein Casting im Kreishaus und zwei halbwegs telegene Fahnder-Darsteller-Models finden, und los geht's in den Sumpf des organisierten Sozialbetrugs - also irgendwo ins Kreisgebiet (oder auch mal in ein beliebtes Urlaubsland - warten Sie mal die nächste Show ab!) Wir können doch mächtig stolz sein auf unseren geschäftstüchtigen Landrat - statt was gegen die sozialen Probleme im Kreis zu tun, vermarktet er sie lieber. Werbung machen mit der eigenen Unzulänglichkeit - ist doch clever, oder?

Und auch für die Betroffenen (in der Serie daran zu erkennen, dass sie NICHT mit einem Opel rum fahren und Leuten auf den Wecker gehen) ist das doch eine feine Sache: Sie können jetzt quasi "von zu Hause aus arbeiten" und müssen nicht mehr erst den beschwerlichen Weg ins Talk-Show-Studio auf sich nehmen, um ihr elendes Dasein einer breiten, sensationsgeilen Masse zu präsentieren, der sowieso schon vor Beginn der Sendung klar ist, dass die "alle abgeschoben" gehören.

Das Schönste an der "Doku" waren meiner unbedeutenden Meinung nach nicht die Fälle, in denen die beiden Spürnasen tatsächlich mal ein paar türkischen Villenbesitzern oder südländischen Auto-Mehrfach-Besitzern auf die Schliche gekommen sind ([Zitat OFC-Fans folgt] "Ihr könnt nach Hause fahrn, ihr könnt nach Hause fahrn..."), nein: es waren für mich die gestellten Dialoge: Wie die beiden Fahnder sich da ihren Job schön- und wichtiggeredet haben - das war erste Sahne und hat den Unterschicht-TV-Oscar mehr als verdient. Vielleicht kann die Redaktion unserer Kanzlerin einen Mitschnitt schicken, damit sie mal lernt, wie man die Berechtigung der eigenen Existenz richtig begründet...

Überhaupt war alles sehr schön arrangiert: Die arme (nicht anonymisierte) und des Sozialbetrugs (aus Sicht der Redaktion vermutlich leider) nicht im Geringsten schuldige Deutschrussin mit den notdürftig verpixelten Kindern (Tja, Pech gehabt - morgen werden sie im Kindergarten wohl über euch lachen), der dreiste Mitbewohner, der behauptet hat, seit 5 Jahren auf einer Couch zu schlafen (ob die kompetente Schnüfflerin persönlich dafür Sorge tragen wird, dass der Mann die geschätzten 17.000 EUR für seine unglaubliche (Falsch-?)aussage berappen muss und vielleicht obendrein noch einige Monate auf einer bequemeren Pritsche nächtigen darf?), die lustigen Seitenhiebe des Ermittlerduos auf die Zustände in ihrem Arbeitsmilieu, die illegalen Schrotthändler mit den Lüstern im Wohnzimmer und immer wieder die Stimme aus dem Off...

Ja, die Stimme aus dem Off hatte doch auch wirklich zu jedem ertappten Betrüger den passenden erhobenen Zeigefinger parat - sie kennt sich also bestens aus im Bereich des Sozialrechts. Mein Vorschlag: Macht doch sie statt des Pensionärs zum Ombudsmann in Offenbach!

Schlussendlich erklärte uns diese Stimme, warum die zwei Spürnasen überhaupt im Kreis rumspuken: Weil man dadurch jährlich ganze 750.000 EUR sparen kann! Die reichen zwar noch nicht mal ansatzweise, um den Mehraufwand für Landrat Walters PPP-Vorzeigeprojekte zu decken, aber sie rechtfertigen immerhin, dass ab sofort so ziemlich jede und jeder Arbeitslose in Deutschland sich als Schmarotzer fühlen darf. Und irgendwie war diese Sendung wohl auch als Warnung an die Faulenzer zu verstehen: Wir kriegen euch alle... und ganz Deutschland hat Spaß daran! Harharhar...

Wenn der Promillewert sich dann wieder gesenkt, der Geist wieder die gewohnte Tätigkeit des Sinnierens aufgenommen und man sich das soeben Gesehene noch mal vergegenwärtigt hat, fällt einem auch wieder ein, wie diese Sendung dann doch gleich wieder hieß... "GNADENLOS SCHLECHT!"

Oder in Schulnoten: Sechs. (Ab)setzen!

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